Das Experiment

Wie Experimente Störvariablen kontrollieren

Damit ein experimenteller Befund kausal interpretierbar ist, müssen potenzielle Störvariablen z kontrolliert werden. In der psychologischen Forschung geschieht dies durch drei grundlegende Vorgehensweisen: Ausschalten, Konstanthalten und Randomisieren. Jede dieser Strategien verhindert, dass unbeachtete Einflüsse die Wirkung der unabhängigen Variable x auf die abhängige Variable y verfälschen.

Die drei Strategien zur Kontrolle von Störvariablen werden in experimentellen Studien meist kombiniert eingesetzt; die Randomisierung bildet dabei den obligatorischen Kern jedes echten Experiments.

1. Ausschalten von Störvariablen

Störvariablen werden vollständig eliminiert, sodass sie keinen Einfluss mehr haben können. Dies ist die direkteste Form der Kontrolle.

Psychologisches Beispiel:
In einem Experiment zur Wirkung von Schlafentzug auf die Konzentrationsleistung sollen Ablenkungen ausgeschlossen werden. Alle Versuchspersonen arbeiten in einem schallisolierten Raum, ohne Handy, ohne Gespräche, ohne Musik. Dadurch wird verhindert, dass unterschiedliche Ablenkungsniveaus die Konzentrationsleistung beeinflussen.

Weiteres Beispiel:
Bei einer Untersuchung zur Wirkung von Angst auf Entscheidungsverhalten werden alle Versuchspersonen einzeln getestet. So wird ausgeschlossen, dass soziale Einflüsse (z. B. Gruppendruck, Beobachtung durch andere) das Entscheidungsverhalten verändern.

2. Konstanthalten von Störvariablen

Störvariablen werden für alle Personen gleich gehalten. Dadurch können sie zwar wirken, aber sie wirken bei allen gleich – und beeinflussen somit nicht die Unterschiede zwischen den experimentellen Bedingungen.

Psychologisches Beispiel:
In einer Studie zur Wirkung von Musik auf Stress wird allen Teilnehmenden dieselbe Raumtemperatur, Beleuchtung, Tageszeit und Instruktion vorgegeben. Wenn alle unter identischen Bedingungen getestet werden, können diese Faktoren nicht erklären, warum die Stresswerte zwischen den Gruppen unterschiedlich ausfallen.

Weiteres Beispiel:
Bei einer Untersuchung zur Wirkung von Feedback auf Motivation erhalten alle Personen denselben Versuchsleiter. Dadurch wird verhindert, dass unterschiedliche Kommunikationsstile oder Sympathieeffekte die Motivation beeinflussen.

3. Zufälliges Verteilen (Randomisieren)

Störvariablen werden durch zufällige Zuordnung der Personen zu den Bedingungen neutralisiert. Individuelle Unterschiede verteilen sich statistisch gleich über die Gruppen.

Psychologisches Beispiel:
In einer Studie zur Wirksamkeit eines neuen Lernprogramms werden die Teilnehmenden zufällig der Experimentalgruppe (mit Lernprogramm) oder der Kontrollgruppe (ohne Lernprogramm) zugeteilt. Dadurch verteilen sich Unterschiede in Intelligenz, Motivation, Vorerfahrung oder Tagesform zufällig – und können nicht systematisch die Ergebnisse verzerren.

Weiteres Beispiel:
Bei einer Untersuchung zur Wirkung von Stress auf Gedächtnisleistung werden die Personen zufällig einer „Stress“- oder „Nicht-Stress“-Bedingung zugewiesen. Dadurch wird verhindert, dass z. B. besonders nervöse oder besonders entspannte Personen systematisch in einer der beiden Gruppen landen.

Warum diese Schritte kausale Aussagen ermöglichen

Durch Ausschalten, Konstanthalten und Randomisieren wird sichergestellt, dass Unterschiede zwischen den Gruppen auf die experimentelle Manipulation x zurückzuführen sind – und nicht auf unbeachtete Störvariablen z. Erst dadurch entsteht aus einem bloßen Zusammenhang eine belastbare kausale Aussage.

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